Deutsche EUREKA-Präsidentschaft 2009 | 2010

 

GLOBALISIERUNG VON FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Trends und Perspektiven aus Sicht der europäischen Industrie

Highlights und Schlussfolgerungen für EUREKA

 

Büro der deutschen EUREKA-Präsidentschaft
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
EUREKA/COST-Büro

Prognos AG
Michael Astor
Georg Klose

DeltaEconomics
Rebecca Harding

Juli 2009

 

Einleitung

Die Internationalisierung der Wertschöpfungsprozesse beschreibt einen Entwicklungsprozess, der aus europäischer Perspektive mit der Erschließung von Rohstoffen und Ressourcen begonnen hat und zunächst vor allem einen intensiven Warenaustausch über alle Kontinente hinweg umfasste. Die Internationalisierung der Wirtschaft präsentiert sich gegenwärtig äußerst komplex und von rasanter Dynamik. Weltweite Netzwerke politischer, wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Art entstehen und entwickeln sich stetig weiter. Die Ressource "Wissen" ist im 20. Jahrhundert stärker in den Vordergrund unternehmerischer Internationalisierungsstrategien gerückt. Folglich ist die Globalisierung von Forschung und Entwicklung (FuE) kein isoliertes Phänomen, sondern eingebettet in einen breit aufgefächerten Globalisierungsprozess, der viele Aspekte der Ökonomie, aber auch Verflechtungen in Kultur, Politik und Kommunikation beinhaltet. Trendverstärkend im Bereich der FuE-Tätigkeit wirken vor allem die folgenden Entwicklungen:

  • die zunehmende Intensität und Beschleunigung der Innovationsprozesse,
  • die fortschreitende Globalisierung inklusive einer stärkeren internationalen Arbeitsteilung in Bezug auf Innovationsaktivitäten,
  • die Veränderung der Wertschöpfungsstrukturen mit einer stärkeren Anwendungs- und Nutzerorientierung der Innovationsprozesse.

Die Globalisierung von FuE umfasst unterschiedliche Formen der Produktion und der Erschließung neuen Wissens, wie z.B. die Vergabe von Forschungsaufträgen an internationale Partner, gemeinschaftliche kooperative Forschung in transnationalen Arbeitsgemeinschaften, Verbünden oder Netzwerken, den Erwerb von Patenten und Lizenzen sowie direkte finanzielle Beteiligungsformen oder die Gründung von Joint Ventures.

In der aktuellen Wirtschaftskrise zeigen sich aber auch die Risiken der weltweiten Vernetzung. Krisen sind weltumspannend und branchenübergreifend, auf nationalstaatlicher Ebene lassen sich nur schwer nachhaltig wirkungsvolle Interventionsmechanismen implementieren. Erste Rufe im Hinblick auf eine Relokalisierung und Deglobalisierung werden laut. Hierbei wird die Schwäche einzelner Standorte und Wirtschaftszweige mit einer übertriebenen Globalisierung in Verbindung gebracht, die nur wenig positive ökonomische Effekte zeigt, aber zu einem Abfluss von Know-how und damit zu einer Schwächung der eigenen Marktposition führt. Postuliert wird eine Rückkehr zu einem Erkenntnismodell, das nationale Interessen vertritt und hierfür vor allem auf nationale Ressourcen zurückgreift. Die Konzentration auf das eigene Know-how soll die nationale Innovationsbasis sichern und dem Aufschwung von Morgen dienen. Selbst wenn die Befürworter dieser Sichtweise zunehmen sollten, sehen die Autoren hierin nur eine Zwischenepisode. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lassen sich Trends der internationalen Arbeitsteilung auf allen Wertschöpfungsstufen nicht mehr umkehren. Gerade unter den aktuellen Bedingungen einer globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sind für unternehmerische Geschäftsstrategien vor allem Kreativität, Flexibilität und Innovationsfreude gefragt.

 

Hintergrund und Motivation der Studie

EUREKA bietet eine Basisstruktur, die transnationale Forschungskooperationen und strategische Prozesse der europäischen Industrie durch einen organisatorischen Rahmen sowie direkte Projektförderung unterstützt. Die vorhandene Infrastruktur hat sich in der Vergangenheit bewährt und weiterentwickelt. Sie steht aber auch vor der Herausforderung, den beschriebenen Trends auch zukünftig gerecht werden zu können. Mit dem Wechsel des jährlichen Vorsitzes von EUREKA ist stets ein kurzer Einschnitt verknüpft, der den Blick zurück mit einem Blick nach vorn verbindet. Die Leitfragen der Studie lauten vor diesem Hintergrund:

  • Was hat EUREKA bisher geleistet und wo steht EUREKA im innovations- und förderpolitischen Kontext Europas?
  • Passt das Angebotsspektrum im Leistungsportfolio von EUREKA zu den aktuellen Herausforderungen?
  • Wie wird sich das Umfeld entwickeln - sowohl inner- als auch außereuropäisch - und welche Konsequenzen leiten sich aus antizipierten Veränderungsprozessen für EUREKA ab?
  • Welche Rolle soll EUREKA in einer sich globalisierenden Ökonomie, in der neue Akteure, neue Märkte und Marktchancen sowie neue Allianzen entstehen, zukünftig einnehmen?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das deutsche EUREKA-Büro des DLR haben die Prognos AG, Berlin, und DeltaEconomics, London, beauftragt, eine kurze Bilanzierung mit dem Blick nach vorn zu verknüpfen. Auf der Basis einer aktuellen Befragung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich im Rahmen von EUREKA engagieren, und von zahlreichen Expertengesprächen mit Verantwortlichen des EUREKA-Netzwerks, aber auch mit weiteren Experten transnationaler Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung wurden die wichtigsten Trends erhoben und Schlussfolgerungen für die zukünftige Arbeit gezogen. Dieses Thesenpapier gibt einen Überblick über die Ergebnisse.

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